Streetwork im Winter
Wenn die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, verändert sich auch das Stadtbild: Parks und öffentliche Plätze, die im Sommer lebendige Treffpunkte für Jugendliche sind, werden im Winter deutlich weniger genutzt. Die Kälte führt dazu, dass sich junge Menschen nicht mehr lange im Freien aufhalten können oder wollen.
Dies bedeutet das jedoch keineswegs ruhigere Zeit, stattdessen verlagert sich die Arbeit des Streetwork-Teams. Jugendliche suchen vermehrt warme Rückzugsorte auf – etwa Bibliotheken, Einkaufszentren oder andere öffentlich zugängliche, beheizte Räume. Genau dort ist das Streetwork-Team unterwegs, um ansprechbar und präsent zu bleiben.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Jugendlichen seien im „Winterschlaf“, da sie im öffentlichen Raum weniger sichtbar sind. Doch dieser Eindruck täuscht. Unabhängig von der Jahreszeit bleibt der Bedarf an Gesprächen, Beratungen und Begleitungen unverändert hoch. Persönliche Herausforderungen, schulische oder familiäre Themen sowie Fragen zur eigenen Zukunft machen keine Winterpause.
Für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist es zudem keine Selbstverständlichkeit, sich bei eisigen Temperaturen einfach nach Hause zurückzuziehen. Manche leben in sehr kleinen Wohnungen, die sie mit mehreren Familienmitgliedern oder anderen Mitbewohner:innen teilen müssen, und verfügen über keinen eigenen Rückzugsort. Andere erleben ihre häusliche Situation als stark belastend oder kaum aushaltbar. Gerade in den Wintermonaten verbringen sie daher bewusst so viel Zeit wie möglich außerhalb ihrer Wohnungen – auch wenn es draußen kalt ist.
Ein Wintereinbruch in Wien bedeutet für das Streetwork-Team daher nicht weniger Arbeit – sondern vor allem mehr und dickere Kleidung sowie feste Winterschuhe. Auch bei Kälte, Schnee und eisigen Temperaturen ist das Streetwork-Team unterwegs, passt die Arbeitsweise an und bleibt verlässlicher Ansprechpartner für Jugendliche.
Streetwork im Winter heißt flexibel bleiben, neue Treffpunkte aufsuchen, durchhalten und präsent bleiben. Und öfter als angenommen, finden auch im kalten Park sehr wichtige Gespräche statt.