Winter.Film.Abend – Sehen.Denken.Reflektieren

Im Herbst 2018 bekam der Jugendtreff Penzing zwei neue Mitarbeiterinnen und auch die Gruppen der Jugendlichen gestalteten sich neu. Um ein Kennenlernen zu ermöglichen und Raum für Begegnung zu schaffen entstand das Projekt: „Winter.Film.Abend-Sehen.Denken.Reflektieren“ im Jugendtreff Penzing.

Ziel war es, die Jugendlichen in das Projekt miteinzubeziehen, es mit ihnen gemeinsam zu planen und das Geplante dann auch umzusetzen. Die Jugendlichen sollten sich dadurch besser kennenlernen und ihre sozialen Kompetenzen erweitern können. Ein weiterer Gedanke war, ihnen eine Alternative zum Spielfilm zu geben und ihnen Dokumentationen anzubieten, bei denen sie sich die Themen selbst aussuchen, die sie interessieren um im Anschluss mit ihnen über das Gesehene in den Austausch zu gehen.

Der Oneworldfilmclub-Penzing präsentierte einmal im Monat im Jugendtreff Penzing eine Dokumentation, die von Jugendlichen ausgesucht werden konnte. Im Jugendtreff wurden für die Vorstellungen Popcorn vorbereitet und manchmal auch zusammen gekocht.

Um sich langsam an Dokumentarfilme heranzutasten, wurde die erste Kurzdokumentation „Aus Ky wird Niels“ vorgeführt bei dem es um ein Mädchen Namens Ky geht, das im falschen Körper geboren wurde und den Entschluss trifft, ein neues Leben als Junge zu beginnen. Anfänglich waren einige nicht sehr begeistert, fanden den Austausch nach dem Film jedoch gut.

So ging das Projekt in die zweite Runde und sie entschieden sich für die Dokumentation „Fucking Freedom“, in der einen Einblick in das mittlerweile geschlossene Jugendgefängnis im 3. Bezirk gegeben wird. Dabei wird der Alltag der Insassen und der Wärter*innen gezeigt. Auch Gespräche zwischen Jugendlichen und der Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen wurden aufgezeichnet. Diese Dokumentation wurde von den Jugendlichen sehr aufmerksam geschaut und anschließend gab es spannende Gespräche über Freiheit, Selbstbestimmung, Gewalt und Gesetze.

Im Folgemonat wollten sie zum Thema Sucht mehr erfahren und der Filmclub spielte den Film „Katka“, in dem eine junge Frau, die an einer Heroinsucht erkrankte, über einige Jahre begleitet wird. Immer wieder versucht sie einen Entzug, aber sie schafft es nicht. Auch die Schwangerschaft und die Geburt ihrer Tochter geben ihr schlussendlich nicht genug Kraft, um ihre Sucht zu bekämpfen. In dieser Nachbesprechung waren die meisten Jugendlichen sprachlos und konnten nicht verstehen warum Katka es am Ende nicht geschafft hat. Es wurde viel über verschiedene Drogen, ihre Auswirkungen und das Thema Sucht gesprochen.

In der letzten Dokumentation vor der Sommerpause des Projekts ging es um arrangierte Ehen. Der Film „Das Arrangement“ porträtiert vier junge Türkinnen und Türken, die in Wien aufgewachsen sind. Alle sind durch ihre Familien mit der Tradition arrangierter Hochzeiten konfrontiert. Alle gehen mit der Situation anders um und werden auf ihrem Weg begleitet. Nach dieser Dokumentation erzählten Jugendliche von ihren Vorstellungen von Liebe, es wurden Nach- und Vorteile von arrangierten Ehen belichtet und der Grat zwischen arrangiert und Zwang diskutiert.

Insgesamt nahmen 66 Jugendliche am von Dezember 2018 bis Mai 2019 andauernden Filmprojekt teil. Die Jugendlichen konnten die Themenbereiche, die sie interessieren selbst bestimmen und die Gespräche nach den Filmen und auch die Tage darauf im Jugendtreff waren sehr spannend. Vor allem aber wurden Filme nicht nur angeschaut und der Inhalt einfach hingenommen, sondern es wurde gesehen, nachgedacht und gemeinsam reflektiert.