Reise nach Italien

Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem 4. Bezirk organisierte Streetwork Wieden eine Reise nach Italien. Vier Mädchen und vier Burschen ließen sich auf das Abenteuer ein und reisten mit uns von 19. bis 26. August 2007 nach Marina die Ravenna. Für viele Jugendliche war dies der erste Kontakt mit dem “Meer” und auch der erste Auslandsaufenthalt.
Marina di Ravenna - Campingplatz
Oftmals besitzen Jugendliche vorgefertigte Urlaubsvorstellungen aus Hochglanzprospekten, die ihre finanziellen Möglichkeiten um ein Vielfaches übersteigen. Das Modell “leistbarer Urlaub” sollte Jugendliche befähigen, “Low-Budget-Reisen” selbstständig zu organisieren. Wichtigste Bestandteile waren eigenständiges Kochen, Übernachtung im Zelt, Finden kostengünstiger Transportmittel und ein begrenztes Budget. Wiedener Jugendliche hatten die Möglichkeit, eine ungewohnte Umgebung kennen zu lernen und sich dort zurechtzufinden.

Im Vordergund standen, wie auch bei anderen Outdooraktionen, die Naturerfahrung, das Erleben und Akzeptieren der eigenen Körperlichkeit sowie das Sammeln von neuen Eindrücken weit weg von der eigenen Lebenswelt. Wichtige Schwerpunkte waren die Rücksicht auf die “bunt zusammengewürfelte Gruppe” (vier Mädchen, vier Burschen im Alter zw. 13 u. 18 Jahren), das Übernehmen von Verantwortung und das Einhalten von Vereinbarungen.

Ablauf:
Die acht Jugendlichen und MitarbeiterInnen reisten mit dem Zug bzw. einem Begleitfahrzeug an und quartierten sich auf einem Campingplatz ein. Da es leider die ganze Woche regnete, war der gesamte Platz, inklusive Kleidung, Schlafsäcke, Groß- und Kochzelt, nass. Das anhaltende Schlechtwetter steigerte die erlebnispädagogischen Herausforderungen, da viele Aufgaben zur Alltagsbewältigung erschwert wurden. Es erforderte zwar eine größere Frustrationstoleranz seitens der Jugendlichen, brachte bei Gelingen aber auch mehr Bestätigung, etwas geschafft zu haben. Neben den täglichen wassereinbruchsbedingten Putzaktionen und Trocknungsversuchen besuchten wir die Stadt Ravenna und das Aquarium in Rimini.
Marina di Ravenna - Mittelmeer
Die StreetworkerInnen achteten sehr genau auf den Gruppenprozess und brachten Diskussionen zum Thema “Geschlechterrollen” in Gang, indem sie entgegen der stereotypischen Rollenbilder handelten. Der “gemeinsame Feind” (= das Wetter) hatte einen positiven Einfluss auf die Gruppendynamik. So wurden die Abende beim gemeinsamen Geschichten Erzählen im Zelt verbracht, was sich neben dem täglichen gemeinsamen Kochen zu einem Ritual entwickelte.
Als Abschluss der Campingwoche fand eine Beachparty statt, die die Jugendlichen selbst gestalteten. Die Gruppe bekam Budget, um das einzukaufen, was sie für ein “für sie gelungenes Fest” brauchten. Entscheidungsfindung und das Setzen von Prioritäten sollte die TeilnehmerInnen fordern. Sie wählten Obstplatten, Süßigkeiten, Knabbergebäck und Softdrinks als Verpflegung und schmückten den Platz mit Kerzen und Sternspuckern.
Das Fest der Jugendlichen wurde ein Erfolg und hatte außerdem den positiven Nebeneffekt, eine Feier ohne Alkohol erleb- und genießbar zu machen.

In Wien fand eine ausgedehnte Reflexion mit der gesamten Gruppe im Rahmen der Fotopräsentation mit italienischem Essen und Bearbeiten der aufgekommenen Themen statt. Jede/r TeilnehmerIn bekam als bleibende Erinnerung eine Foto-CD.
Italien - Gemeinsames Kochen und Essen
Abschluss und Ergebnis:
Die MitarbeiterInnen von Streetwork Wieden blicken auf ein gelungenes Projekt zurück, von dem die Jugendlichen profitieren, da sie einige während der Campingwoche erworbene Kompetenzen in ihre Lebenswelt übertragen können und selbstverständlich gemeinsam viel Spaß hatten. Neben erworbenen Fähigkeiten, wie dem Zubereiten leichter und gesunder Gerichte, konnten sich die Jugendlichen, vor allem in Bezug auf Kompetenzen bei der Entscheidungsfindung und Rücksichtnahme, vieles aneignen. Freundschaften über die “Parkgrenzen” hinaus haben sich gebildet, was zu weniger Rivalität unter den einzelnen Gruppen geführt hat. Auch eine Stärkung des Selbstvertrauens lässt sich beobachten, da die TeilnehmerInnen in schwierigen Situationen oft auf die Bewältigung und die Erfahrung von Extremsituationen während der Projektdurchführung zurückgreifen können.
An dieser Stelle bedankt sich das Streetwork Wieden Team sowie alle beteiligten Jugendlichen für das großzügiges Sponsoring bei “Rotary Österreich”. Rotary übernahm 70% der Kosten für die Reise nach Italien.

 

 

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