Politische Zeitreisen oder wie Soziale Medien die Nationalratswahl 2019 beeinflussten

Am 29. September 2019 fanden vorgezogene Nationalratswahlen statt. Daher war auch Streetwork Meidling am 20.09., bereits zum zweiten Mal diesen Jahres, mit Wahlkabine, Wahlurne und Musterstimmzetteln wieder im Bezirk unterwegs um mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen über die Bedeutung demokratischer Wahlen zu sprechen und den Wahlvorgang zu proben.

In Kooperation mit den Jugendtreff Steinbauerpark wollten wir offene Fragen zur Stimmabgabe klären, herausarbeiten wie Jugendliche Politik wahrnehmen, welche Ereignisse sie als wichtig ansehen und wo sie sich über politische Themen informieren. Dabei wurde offensichtlich, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene unserer Zielgruppe zwar ihren Lebensmittelpunkt in Wien haben aber aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit von demokratischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden.

Einige gaben an die „Pass-Egal-Wahl“, die am darauffolgenden Tag am „Meidlinger-Platzl stattfand, für eine gute Idee zu halten. Denn durch die Veröffentlichung dieser zusätzlichen Stimmen wird verdeutlicht, dass das Wahlergebnis anders ausfallen würde, wenn sich alle Menschen beteiligen könnten, die Österreich als ihr Zuhause ansehen. Eine solche Förderung und Stärkung, ernst gemeinter Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist eine Grundhaltung Sozialer Arbeit. Dazu gehört aus unserer Sicht auch die Möglichkeit sich an demokratischen Wahlen beteiligen zu dürfen.

Zusätzlich zum durchspielen des Wahlvorganges und dem ausliegendem Infomaterial zu den jeweiligen Parteien, konnten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf einem am Boden aufgemalten Zeitstrahl, Ereignisse eintragen die sie als politisch relevant erachten. Vom Kosovo-Konflikt, über die Einführung des Euros bis zum Aufkommen von Instagram wurden viele Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte eingezeichnet und deren politische Entwicklungen und gesellschaftliche Auswirkungen diskutiert.

Zusätzlich konnte auf einem Plakat eine Gewichtung abgeben werden, über welche Medien sich die Teilnehmer*innen üblicherweise über politisches Geschehen informieren und welchen Einfluss diese Medien auf ihre Meinung ausüben.

Nachdem die Punkteverteilung hierbei stark auf das Internet und Social-Media fiel ergaben sich daraus spannende Gespräche über die Vertrauenswürdigkeit und die eventuelle Voreingenommenheit gewisser Medien, die Gefahr von Manipulation, sowie das Überprüfen von Quellen.

Insgesamt kamen wir an diesem Tag mit 32 Jugendlichen in Kontakt mit denen sich spannende Gespräche und gedankliche Auseinandersetzungen ergaben.
Ein positives Zeichen politischen Interesses bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war für uns, dass wir auch noch Tage nach dem 29.09. von einigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf den Ausgang der Wahl angesprochen wurden und das Ergebnis diskutierten.