„Es geht ja gar nicht um Fische!“

Ferienzeit ist Aktionszeit! Streetwork Liesing wollte Jugendlichen auch in den Osterferien wieder ein gemeinsames Erlebnis bieten – nur was?
Wir erstellten auf Instagram eine Umfrage, um zusätzlich zu Gesprächen auf Streetwork in Erfahrung zu bringen, worauf die Jugendlichen Lust hätten. Die eindeutige Mehrheit schlug einen gemeinsamen Kinobesuch vor. Nachdem der Film jedoch nicht nur Unterhaltungswert bieten, sondern auch Türöffner für Themen zur inhaltlichen Auseinandersetzung sein sollte, entschieden wir uns für „Die Goldfische“. In dem Film geht es um einen Banker, der in Folge eines selbstverschuldeten Autounfalls querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist und diese Tatsache schwer akzeptieren kann. In einer WG der Reha-Klinik lernt er Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen kennen und plant einen gemeinsamen Ausflug in die Schweiz dafür zu nutzen, dort gebunkertes Schwarzgeld über die Grenze zu schmuggeln.

Zum Treffpunkt am Liesinger Bahnhof kamen insgesamt 20 Jugendliche. Mit den zehn Mädchen und zehn Burschen im Alter von 13 bis 18 Jahren fuhren wir ins Cineplexx SCS. Einige kannten uns Streetworker*innen noch nicht, da sie mit Freundinnen oder Freunden mitgekommen waren. So bot uns diese Ferienaktion auch die Möglichkeit, neue Jugendliche aus dem Bezirk kennen zu lernen und ihnen unsere Tätigkeit, Aufgaben und Unterstützungsangebote näher zu bringen.
Obwohl es sich bei dem Film „die Goldfische“ um eine Komödie handelt, werden einige pädagogisch wertvolle Themen behandelt. Der Wert von Freundschaften im Gegensatz zur Bedeutung von Geld, die Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen durch ihr soziales Umfeld, Beeinträchtigungen durch unzureichende Barrierefreiheit werden ebenso thematisiert wie Delinquenz, Sexualität und Behinderung, Homosexualität und die möglichen Konsequenzen von riskantem Verhalten im Straßenverkehr – ein häufiges Thema im Gespräch mit Jugendlichen.
Bei der Rückfahrt nach Liesing wurden die Inhalte des Filmes nachbesprochen und noch offene Fragen der Jugendlichen gemeinsam geklärt. Der Kinobesuch hatte die erhoffte Wirkung: zum einen konnten wir den Jugendlichen ein unterhaltsames Ferienerlebnis bieten und zum anderen wurden sie durch die im Film behandelten Themen zum Nachdenken angeregt.
Ein weiteres Angebot in den Ferien war das Billardspielen im Lokal „Köö“, das wir auf Wunsch der Jugendlichen nach einer gemeinsamen Aktivität im kleineren Rahmen initiierten. Zehn Burschen und ein Mädchen nahmen daran teil. Dies hat eine angenehme Atmosphäre erzeugt und es haben sich gute Gespräche entwickelt. Beispielsweise hat sich noch einmal die Möglichkeit geboten über den kürzlich angesehenen Kinofilm zu diskutieren, aber es wurde auch über Themen wie Ausbildung und Zukunftsperspektiven geredet.