Besuch der Gedenkstätte Mauthausen

Gemeinsam mit einer Gruppe von fünf jugendlichen Burschen zwischen 13 und 18 Jahren besuchte Streetwork Liesing das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen. Im Vorfeld gab es auf Streetwork bereits Gespräche über die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs, Widerbetätigungshandlungen und die Verfolgung marginalisierter Gruppen. Die Jugendlichen bezogen ihr Wissen dazu oft aus digitalen Medien, wo sie viele verzerrte oder schlichtweg falsche „Wahrheiten“ fanden.

Durch den Besuch der KZ-Gedenkstätte, die heute ein internationaler Ort der Erinnerung ist, konnten die Jugendlichen vor Ort ihr Wissen zum Nationalsozialismus vertiefen und nutzten während des Rundgangs die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Thematisiert wurden neben dem Ausmaß der Tötungen – laut heutigem Stand liegt die Zahl der Todesopfer von Mauthausen bei über 90.000 Menschen – auch Lebensumstände wie massive Platz- und Essensknappheit im Konzentrationslager, sowie das nachweisbare Wissen von Anrainer*innen über Umstände und Geschehnisse im ehemaligen nationalsozialistischen Vernichtungslager. Anschließend an den Besuch reflektierten wir mit den Jugendlichen bei einem gemeinsamen Pizza Essen in unserer Anlaufstelle das Gesehene und Gehörte.
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Wir leben in Zeiten eines rauer werdenden politischen und gesellschaftlichen Klimas, in welchem Gruppen die nicht der vermeintlichen „Mehrheitsgesellschaft“ angehören zunehmend von öffentlich ausgetragenen Diskriminierungen und Ausschlüssen aus der Gesellschaft betroffen sind. Insbesondere in solchen Zeiten, wo sich politische und gesellschaftliche Diskurse zunehmend nach rechts verschieben, ist es Teil unseres sozialarbeiterischen Selbstverständnisses und sozialpolitischen Auftrags, diesen Entwicklungen durch politische Bildungsarbeit entgegenzuwirken. Wir verstehen die gemeinsame Fahrt nach Mauthausen sowie die Gespräche und Reflexionen über den Besuch als wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung Jugendlicher und junger Erwachsener. Diese sollen das Erfahrene in ihre Freund*innenkreise weitertragen. In weiterer Folge soll der Besuch der KZ-Gedenkstätte für die Jugendlichen auch ein Anstoß dazu sein, sich kritisch mit Medieninhalten auseinanderzusetzen, Diskriminierungen und gesellschaftliche Ausschlüsse wahrzunehmen und diesen auch entgegenzuwirken – sodass sich derartig dunkle Teile der österreichischen Geschichte nicht mehr wiederholen können.